“das faszinierende system des traumas”

 

„Ich kenne kein Leben ohne Angst. Angst ist ein Grundgefühl für mich, neben anderen, wie z. B. Verzweiflung. Der Boden unter meinen Füßen. Daß sich auch da allmählich ein bißchen etwas ändert, ist noch ganz ungewohnt. Und es ist zweigeteilt. Wenn ich ganz viel Angst habe, ist es nicht gut möglich, daß ich mir sage, daß ich keine zu haben brauche.

Gut denken kann ich dann nicht. Dann bin ich wieder dort, und alles ist genauso wie damals. Sofort erstarre ich. Äußerlich und innerlich. Nur nicht bewegen. Auf keinen Fall. Gefährlich. Nicht um mich herum schauen, macht zu viel Angst, anschauen ist zu gefährlich. Verboten. Kann gerade mal noch atmen, selbst das ist beinahe zuviel. Da kommen die Bilder dazu, ich höre "in mir" Schreie und sehe diese Augen... Ich schreie nicht. Nie. Gefährlich. Verboten. Ich weiß, daß ich sterben werde. So ein Grauen und Entsetzen kann ich nicht beschreiben, und die Worte, die ich jetzt schreibe, passen alle nicht wirklich dafür. Es war ganz am Anfang sehr, sehr schwer, sich überhaupt aus der Erstarrung zu lösen. Mich zu bewegen. Sachen tun, über die andere wohl gar nicht nachdenken. Anstrengend. Sehr.

Ja, ein bißchen daraus gekämpft habe ich mich. Eine Ahnung, was frei sein bedeuten könnte. Aber ich glaube nicht, daß ich mal keine Angst mehr habe, und dieses Gefühl von Grauen und Entsetzen vergessen kann“. (Naomi)

 

 

Anhand dieses Textes werden die traumatischen und insbesondere komplex traumatischen Konflikte auf eine nachvollziehbare fachliche Ebene transformiert…..

 

Komplex traumatisierte Menschen benötigen individuelle Hilfen im Alltag. Traumatherapie findet in Kliniken und Traumapraxen statt. Was aber brauchen diese Menschen zudem in ihrem alltäglichen Umfeld?

Hierzu haben wir ein Modell entwickelt, das aus klinischer Behandlung, sozialtherapeutischer Alltagsbegleitung, Trauma-Beratung und  pädagogischen Handlungsketten besteht. Darüber hinaus entstand hieraus eine gestufte Krisenversorgung im sozialen Umfeld – unter ebenfalls klar gestufter Einbeziehung der Komplementärdienste. Dieses Modell stammt aus der praktischen Arbeit und ist über mehr als 10 Jahre prozessbedingt angepasst worden, so dass nunmehr ein umfangreiches  Begleitmodell für komplex traumatisierte Menschen zur Verfügung steht: das “Trauma-Sozialraum-Modell“.

Folgende, nicht unbedingt begrenzend aufeinander aufgebaute Phasen liegen diesem Modell unter anderem zugrunde (Auszug):

 die Phase der Trauma-Psychoedukation (Stabilisierung)

eine individuelle Sprache entwickelt sich; der traumatische Abszess bekommt ein Gesicht – oft auch viele Gesichter

die Phase des Abszess-Ausdrucks

der traumatische Abszess und sein direkter und indirekter Ausdruck (z.B. Selbstverletzung, Überforderung, Anorexie/Bulemie, Depression, Angst- und Panikzustände, Sucht, Konversion, Dissoziation bis hin zu dissoziativen, eigenständig agierenden Persönlichkeiten -DIS-)

die Phase der Abszess-Würdigung

der traumatische Abszess fordert Würdigung, will nicht vergessen werden (Erklärung – Verstehen – Akzeptanz – eigene Trauer und Versöhnung mit dem traumatischen Abszess)

Die Phase der Anerkennung von konkreter Alltagsbeschränkung Triggersituationen und die Folgen – Eruierungsphase der individuellen (Alltags-)Trigger

Die Phase der bewussten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben  Triggerresistenztraining im Sozialraum

 

Vermittlung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen

Sensibilisierung und Umsicht im direkten und indirekten Prozess hilfesuchender Personen 

Förderung der eigenen Reflexionsfähigkeit

Förderung von Methodenvielfalt im direkten und indirekten Prozess hilfesuchender Personen

Förderung der Fähigkeit, Kausalitäten mehraxial erfassen und be- bzw. auswerten zu können

kompetentes Handeln in Krisensituationen

Vermittlung eines neurobiologischen Traumamodells

Förderung des Verständnisses psychsozialer Konsequenzen aus biografischer Entwicklung (psychosoziale Dynamik)

Erweiterung der Eigen- und Fremdwahrnehmung

 

Methoden und Medien

Theorievermittlung, Therapeutentraining, Demonstrationen, Selbsterfahrung, Metareflexion, Imaginationsarbeit, Rollenspiel, Planspiel, systemisches und gestalttherapeutisches Arbeiten, kreativ-künstlerisches Arbeiten

 

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